Katastrophensommer 2008?

K2Verfolgt man die aktuelle Meldungen und Debatten in den deutschen und Internationalen Medien, so könnte man annehmen der Bergsommer 2008 wäre eine einzige Katastrophe: Erst die Entführung am Ararat, dann die Unglücke an Nanga Parbat und K2. Wer Reinhold Messner auf =>N24 gehört hat, wartet wahrscheinlich schon auf das nächste Unglück...

Beim genaueren Betrachten fällt allerdings auf: Bergsteigen allgemein und speziell das Expeditionsbergsteigen kommt in der Mainsteam-Berichterstattung nur dann vor, wenn ein Unglück geschehen ist oder (medientechnisch noch besser) man quasi live zusehen kann wie ein Unglück geschieht. Wie beispielsweise kürzlich am Nanga Parbat als Simon Kehrer und Walter Nones schon nach 2 Tagen der sichere Tod prophezeit wurde, während diese dann nach insgesamt 9 Tagen unverletzt und engegen aller Prophezeiungen selbsternannter Experten noch gut bei Kräften in einer angeblich dramatischen Rettungsaktion ausgeflogen wurden. Schwierig ist solch eine Hubschrauberrettung immer, dramatisch in diesem Fall aber kaum. Kehrer und Nones wären ganz sicher auch selbst in der Lage gewesen noch bis ins Basislager abzusteigen.
Alpinistische Glanzleistungen wie z.B. spektakuläre Erstbegehungen oder Erkundungen unbekannter Gebirgsregionen hingegen schaffen es bestenfalls auf Seite 3 der Lokalpresse. Ganz im Gegensatz zu anderen Sportarten - da stehen immer die Sieger vorn in der Zeitung.
Aufgrund dieser einseitigen Auswahl negativer Nachrichten wird Bergsteigen in der Öffentlichkeit stets als hochgradig gefährlich bis selbstmörderisch wahrgenommen - zu Unrecht.

Schlimm ist vor allem, daß selbst seriöse Medienanstalten immer wieder diesen Unfug mitmachen und sich mit unseriösen und schlecht recherchierten Stories gegenseitig zu überbieten versuchen. Aktuelles Beispiel: der =>MDR-Info Beitrag am Nachmittag des 5. August. Hier wurde durch eine dieser Berg-Expertinnen allen Ernstes behauptet, die Katastrophe am K2 wäre geschehen, weil die Bergsteiger die falsche Jahreszeit gewählt hätten. Man wisse doch das im Sommer der Monsun Bergsteigen in Himalaya und Karakorum unmöglich mache.
Auch die derzeit überall kursierenden Berichte es habe sich bei den Verunglückten um unerfahrene Bergsteiger gehandelt entbehren jeder Grundlage. So titelt Spiegel Online: =>"So was ist reine Dummheit" und verweist auf Reinhold Messners Kritik an kommerziellen Expeditionen.
Eigentlich wäre es so einfach sich zu informieren: Auf =>www.k2climb.net sind alle aktuellen K2 Expeditionen augelistet - ich finde darunter am K2 keine einzige kommerzielle Expedition, hingegen etliche Namen bekannter und erfahrener Alpinisten.

Für die Angehörigen der tödlich verunfallten Bergsteiger ist deren Tod natürlich eine Tragödie - genau so, wie für die Angehörigen eines Verkehrstoten dessen Ableben eine Tragödie ist - die Tragödie hat nichts mit dem Berg und nur etwas mit dem Tod zu tun.


Es ist unbestritten: Bergsteigen kann gefährlich sein, durchaus auch lebensgefährlich. Aber es ist grober Unfug wenn jetzt behauptet wird, Bergsteiger würden genau deshalb auf Expedition fahren, um die Lebensgefahr am eigenen Leib zu spüren.
Menschen steigen seit über 200 Jahren aus Freude am Leben auf die Berge, nicht aus Freude am Tod. Und das wird auch in den nächsten 200 Jahren so sein, allen im Tal gebliebenen Experten zum Trotz.
Von einem Katastrophensommer am Berg zu sprechen ist unangebracht. Es gibt in diesem Sommer am Berg nur eine Katastrophe: die Qualität der Berichterstattung.

Christian Walter, 5.8.2008

Kyajo Ri Westseite, Foto: Nico Smeets

Expedition zum Kyajo Ri (6186m) beendet

Die Expedition zum 6186m hohen Kyajo Ri im nepalesischen Himalaya ist beendet. Leider ist uns weder die Erstbegehung des Nordgrates noch die anschließend versuchte Besteigung über die Südflanke gelungen. Letztere haben wir aufgrund ungünstiger Eisbedingungen nur 100 Höhenmeter vom Gipfel entfernt abbrechen müssen.
Eine kurze Darstelung des Expeditionsverlaufs ist derzeit verfügbar. EIn vollständiger Expeditionsbericht wird demnächst veröffentlicht.

Erdbebenhilfe in Pakistan - Mittelschule Sakargah fertig gestellt

Sakargah - die fertige Mittelschule

Nun ist sie fertig, die Mittelschule in Sakargah, und wir alle sind stolz und froh darüber. Vor dem Winter war es ja - auch aufgrund der unstabilen Lage (Rote Moschee, Kämpfe im Swat-Tal dann Ausnahmezustand...) - leider nicht gelungen, daß Dach zu schließen. Doch kaum haben Frühjahrstemperaturen und Wetterlage den Weiterbau zugelassen haben Amir und sein Team in einem beeindruckenden Endspurt den Bau vollendet. Nun steht schäg hinter der 2006 eingeweihten "German Malgary School" die neue noch namenlose Mittelschule.
Eine große Einweihungszeremonie mit Festmahl für alle Arbeiter konnte diesmal nicht gefeiert werden. Das Geld ist bis auf den letzten Cent verbraucht worden, zum Feiern war einfach nichts mehr übrig. Aber natürlich wurde die Schule von Amir, unserem pakistanischen Projektleiter, würdig an Schüler und Lehrer übergeben.

Erfahren Sie in unserer Rubrik Pakistan Hilfe weitere Einzelheiten zur Aktion. Die Berichte von der Arbeit aller bisherigen Hilfsteams finden Sie hier: Erste Hilfe (Oktober 2005), Ärztliche Hilfe (November 2005), Winterhilfe (Dezember 2005), Aufbau Grundschule (2006), Aufbau Mittelschule (2007)


Volcan Llaima (3125m)

Anden-Kundfahrt erfolgreich beendet

Die fünfwöchige Anden-Kundfahrt des Alpinclubs über den Jahreswechsel 2007/2008 ist mit zahlreichen Gipfelerfolgen zu Ende gegangen. Dem Zweier-Team Madlen Kind und Markus Walter gelangen insgesamt 13 Gipfelbesteigungen, darunter sechs 6000er. Unter anderem standen die beiden auf dem höchsten Vulkan der Erde, dem 6893m hohen Ojos del Salado in der chilenischen Puna de Atacama sowie auf dem südlichsten 6000er der Erde, dem 6108m hohen Marmolejo. Wie so oft beim Bergsteigen spielte auch eine Portion Glück eine Rolle: nur 10 Tage nach der Besteigung des aktiven Vulkans Llaima (3125m) sorgte eine gewaltige Eruption dafür, dass die komplette Nationalparkregion rund um den aktiven Vulkan bis heute gesperrt ist. Dutzende Touristen mußten evakuiert werden und eine Besteigung des Vulkans ist bis auf weiteres unmöglich.
Eine kleine Bildergalerie sowie einen Kurzbericht über die gesamte Tour finden Sie hier.
Ojos del Salado (6893m)



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