alpinclub

Erdbeben in Pakistan
Hilfsaktion von Alpinclub und Bergwacht Sächsische Schweiz

Begwacht

Projekt: Wiederaufbau der Grundschule von Sakargah Teil 6: ab 24.6.2006

Link zum vorangegangenen Bericht Teil 5: 1.-23.6.2006

Team vor Ort: Haike Lieder, Dietmar Vogel

24.6.2006

Tino ist wieder gut in Deutschland und sein Nachfolger Dietmar heute mittag hier in Sakargah angekommen.
Dietmar nutzte noch die Gelegenheit, alle Arbeiter der Baustelle kennenzulernen. Zur Begrüßung gab es Brot und Salz. Allerdings in dem Falle von Dietmar "an" die Arbeiter aus Sakargah. Das von ihm aus Sachsen mitgebrachte deutsche Mischbrot, Bäckerei Thürmsdorf, wurde staunend gegessen. Dietmar wird sich morgen vorstellen.
Wir haben heute nach dem Einschalen der vierten Stütze also die ersten vier vom dritten Raum betoniert und auch das Fundament der 20m langen untere Stützmauer zur Hälfte fertigstellen können. Morgen können diese Stützen also schon ausgeschalt und die letzten vier zum Betonieren geschalt werden.
Haike Lieder

25.6.2006
Fahrt nach Sakargah

Am 22.6. bin ich in Naundorf nach kurzer Vorbereitung und einer schönen Sonnenwendfeier in Weißig in Richtung Pakistan aufgebrochen. Ich bin 54 Jahre alt, verheiratet und Papa von drei Kindern. Nach einem längeren Flug mit Umsteigen in London-Heathrow erreichte ich am 23.6. früh morgens Islamabad, wo mich Amir, unser treuer Helfer, aus der wilden Menschenmenge fischte.
Mein Hauptproblem war erstmal gelöst; ich war noch nie geflogen und mußte meinen "Jungfernflug" allein absolvieren. Mein Befürchtung, dass ich eventuell in China oder Peru ankomme trat nicht ein. Die Lebensweise in Pakistan bereitet mir kein Problem und war mir schnell wieder vertraut. Vor 35 Jahren bin ich als Seemann mehrmals in arabischen Häfen gewesen. Am 24.6. mittags erreichten wir nach der üblichen interessanten Fahrt durch die schroffe Bergwelt den Ort Sakargah.
Schon von weitem wurde ich begrüßt; als ich näher an unser Lager kam wurden die Gesichter aber länger. Ursache war, ich hatte den typischen Gang von Jens Sommerfeldt drauf und man meinte hier, er würde schon wieder kommen. Nach dem "Schock" gab es aber eine herzliche Begrüßung wie schon gestern berichtet. Am Abend besuchten wir noch die Familie unseres Vorarbeiters, in der mir auch gleich das Baby Shima stolz präsentiert wurde.
Heute war mein erster Baustellentag. Ich werde versuchen, so gut ich kann, Haike zu unterstützen. Wir haben heute den zweiten Teil des Fundamentes der unteren Stützmauer betoniert. Für die Arbeiter ein harter Job, da in der glühenden Hitze von 6 bis 15 Uhr sehr materialintensiv gearbeitet wurde. Für meinen weiteren Einsatz hier sage ich mit den einheimischen Worten unserer Arbeiter: "Schaun mor mal".
Dietmar Vogel

26.-27.6.2006

PaulIn den vergangenen beiden Arbeitstagen wurden nun für unsere Schule die letzten vier Stützen betoniert. Alle dazwischen liegenden Wände sind bis auf 2,10 m hochgemauert. Im zweiten Raum wird nun die Bewehrung für den großen Ringanker geknüpft. Die Stützmauer aus Natursteinen unterhalb der Schule ist angelegt und wird in den nächsten Tagen hochgemauert werden. Sie wird die Terrasse tragen, welche gleichzeitig auch bedachter Eingangsbereich für die Räume ist. Nach dem Einschalen des oberen Ringankers des dritten Raumes, mit dem heute begonnen wurde, wird "Paul" unser Zimmermann in den nächsten Tagen das Holz für das Dach, Fenster und Türen bestellen. Alle Arbeiter wurden heute von einem unserer Leute zum Essen eingeladen. Traditionsgemäß gedenkt die Familie hier nach einer gewissen Zeit mit einem Treffen ihren Verstorbenen. Der Arbeiter selbst hatte für diesen Tag Urlaub genommen. Wir bekamen je einen Teller Biriany, dem für diese Gegend typischen Reisgericht, zu essen. Der Verstorbene war beim Erdbeben am 8. Dezember ums Leben gekommen. Tod und Leben liegen nah beisammen. Gestern wurde das Baby eines unserer Arbeiters geboren. Ich wurde gebeten zu helfen. Mutter und Sohn fühlen sich heute gut. Dietmar war ganz froh, dass er mich dabei nicht unterstützen durfte...
Haike Lieder

28.-29.6.2006

WasserkraftwerkAn den beiden letzten Tagen wurde intensiv an der unteren Stützmauer gearbeitet. Eine sehr materialintensive Arbeit. Unsere Arbeiter hatten voll damit zu tun den Materialtransport vom Bach, wo der Kies zum Betonieren gewonnen wird, zur Baustelle abzusichern. Der Kies muss in Säcken zu 25 kg nach oben geschleppt werden. Am Gebäude selbst wurden der obere kleine Ringanker betoniert sowie weitere Eisenflechtarbeiten durchgeführt.
Gestern wollten wir zu dritt nach Feierabend ein oberhalb von Sakargah liegendes Dorf besuchen. Als wir uns fertig gemacht hatten war plötzlich unser Amir vor Erschöpfung eingeschlafen. Damit fiel unser Ausflug ins Bett. Haike war heute am späten Nachmittag zu einer "Frauenfeier" eingeladen.
Ich habe mir dafür im Ort eine der wundersamen Wasserkraftanlagen angesehen. Früher habe ich als Maschinenbauingenieur im Pumpspeicherwerk Markersbach während der Bauphase mitgearbeitet. Wenn ich die beiden Anlagen so miteinander vergleiche, ist das ein Unterschied wie zwischen einem Mercedes und einem alten Damenfahrrad ohne Kette.
Dietmar Vogel

30.6.-1.7.2006
Baustelle

Brütende Hitze liegt ab 10 Uhr über dem Tal. Ich habe den Eindruck, dass
es von Tag zu Tag heißer wird. Unsere Arbeiter werkeln trotzdem zuverlässig, der intensiven Sonneneinstrahlung widerstehend, während ich immer wieder versuche, im Schatten von Bäumen oder Mauern Zuflucht zu finden. Heute wurde weiter an der unteren Stützmauer betoniert und das Fundament für die Terrasse des ersten Raumes geschalt.
Um den enormen Materialtransport zu beschleunigen, wurden die Kiessäcke vom Bach zu einem Zwischenlager getragen, von wo sie dann über einen relativ ebenen Pfad mittels zweier Schubkarren zur Baustelle gefahren wurden. Je ein Arbeiter zog, und einer schob die Karre. Das ganze wurde erstaunlicherweise mit lautem Lachen und im Laufschritt absolviert.
Unglücklicherweise fuhr einer der Karren über ein aus der Erde spießendes altes Bewehrungseisen. Es machte Pfff... und das Rennen musste abgebrochen werden. Das Reparaturteam beseitigte den Schaden durch Verkleben des Loches im Reifen mittels Haikes Nagelpfeile und Heftpflaster. Mal sehen, wie es morgen aussieht.
Vor wenigen Minuten gab es einen leichten Erdstoß. Das erste Mal, dass ich so etwas registrieren konnte. Ein leichtes Grollen zog bei wolkenlosem Himmel durch das Tal.
Dietmar Vogel

2.-3.7.2006
Arbeiter

Bei heute etwas kühleren Temperaturen, am Vormittag nur 32 Grad, arbeiten unsere Arbeiter kontinuierlich weiter. Wir hier können den Fortschritt täglich sehen. Beschreiben läßt es sich aber die Arbeit der letzten beiden Tage in wenigen Worten: Die untere 20 Meter lange Stützmauer wächst täglich höher und gibt nun schon ein schönes Bild. Der Zimmermann erweitert die Holzschalungen für die großen Ringanker unter dem Dach. Große Mengen Zement und Kies werden vorbereitend zum Füllen dieser sowie der teils bereits geschalten Terrassenfundamente zur Baustelle nach oben getragen.
Vorletzte Nacht gab es mehrere, außergewöhnlich lang anhaltende Nachbeben. Sie sind nicht gefährlich, aber erzeugen zumindest bei mir und unserem Koch unruhigen Schlaf und schlechte Träume. 5.15 Uhr ist die Nacht trotzdem zu Ende; denn unsere Leute stehen pünktlich 6.00 Uhr im Camp am Bach, um gleich Zement mit nach oben in die Schule zu tragen. Dort wollen sie in ihre Arbeit eingewiesen werden. - Der Bau geht voran und mir wird bewußt: ich habe ich das erstemal "IN die Schule" artikuliert.
Haike Lieder

4.-5.7.2006 Kiesproduktion

Mußte mich erstmalig intensiv in die Kiesproduktion einmischen. Es war zuviel Erde im Kies. Also haben Amir, Paul und ich gestern nachmittag Kies produziert, um zu sehen, was geht. Alle unsere Arbeiter sahen das auch nicht so verbissen; "no problem", wollten einfach mit mehr Zement in der Mischung ausgleichen. Vielleicht setzte man ja auch auf Quantität statt Qualität (ich denke ja erstmal positiv). Jedenfalls haben wir für den großen Ringanker jetzt wieder beste Qualität!!! Das ist wichtig.
Haike Lieder

6.7.2006 Besuch auf der Baustelle
Stützmauer

Der erste große Ringanker ist nun endlich eingeschalt und wird morgen früh betoniert.
Unser Maurer Rozi arbeitet nun schon 6 Wochen lang 7 Tage in der Woche zuverlässig für uns. Jetzt haben wir ihm mal 4 Tage Urlaub verordnet. Ob er die aber wirklich zur Erholung nutzt oder sich in diesen Tagen kurzerhand eine andere Arbeit sucht, liegt nicht in unserem Einfluß.
Inzwischen ist auch unsere untere Stützmauer fast fertig und sieht sehr schön aus. Die Einheimischen, welche unsere Baustelle passieren, haben nun zwei für hiesige Verhältnisse ausgezeichnete Wege hinter und vor dem Gebäude entlang. Und man kommt oft; bestaunt neugierig den Fortschritt, "Fachmänner" loben die Qualität und Ordnung...
Die beiden Wege haben unsere Arbeiter als "Highway" und "Super-Highway" benannt. Mittag spazierte ein Ochse über den Highway, den für ihn recht engen Gang zwischen unserer oberen Stützmauer und der Schule, warf jeweils einen kritischen Blick in die Gänge und ging gezielt zu unserer Wassertonne. "Lunchtime", 36 Grad Hitze.
Haike Lieder


7.-8.7.2006

Gestern Nachmittag gegen halb drei erschien Tahir, unser Vorarbeiter, im Camp und lud Amir und mich zu einer weitläufigern Ortsbesichtigung ein. Die beste Zeit dafür, wir hatten so um die 36C. Also ging es los, aber wie. Im Laufschritt durch Reisfelder, über Terrassen auf und ab, vorwärts, vorwärts, vorwärts. Es gab keinen Halt. Dann eine Hütte in die wir eintreten durften. Etwa zwanzig Männer erwarteten uns. Völlig ermattet sanken wir nieder.
Zur Erfrischung gab es schwarzen heißen Tee mit Milch und viel Zucker. Die letzte Flüssigkeit in meinem Körper verdampfte. Dann verabschiedeten sich alle nacheinander und es ging weiter. Als wir aus der Hütte traten , wehte uns frische Luft mit etwa 52C in der Sonne entgegen. Weiter ging es, viele Hände mussten geschüttelt werden, alles neue Gesichter. Tahir hatte sich gleich zu Beginn meinen Fotoapparat umgehangen um unnötige Zwischenstopps zu vermeiden.
Da, wieder eine Hütte, in die wir gebeten wurden, einzutreten. Jetzt gab es kühle Limonade zu trinken. Wir durften uns auf dem Fußboden ausstrecken. Bärtige Männer wedelten mir mit bunten Fächern frische Luft zu. Nachdem meine Körpertemperatur von 40C auf 37C heruntergeregelt worden war ging die Tour weiter.
Tahir wollte wahrscheinlich meine Kondition testen. In Sandalen sprang er von Stein zu Stein, während ich in Bergstiefeln hinterher stolperte. Ein alter Mann gab mir seinen Stock. 17.00 Uhr erreichten wir das Camp, das nun dankenswerterweise im Schatten lag. Ermattet sank ich auf meine Liege und schlief ein. Im Traum erschien mir ein riesengroßes Bierfass, gefüllt mit frischem, kühlen Wasser.
Heute Mittag waren wir zum Essen bei Tahir eingeladen. Es war von seiner Frau sehr schön zubereitet worden und schmeckte vorzüglich. Gegessen wird zu ebener Erde. Die Paschtunen sind sehr gastfreundlich.
Wenn ich nach vorn blicke, weiß ich, dass ich am Montag abreisen werde. Viele neue Eindrücke nehme ich mit nach Hause. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit hier einen kleinen Beitrag für die Realisierung der Ziele der Pakistanhilfe des Alpinclubs und der Bergwacht leisten konnte. Nun freue ich mich auf zu Hause, auf meine Frau, meine Kinder, meinen Hund, meine Katze und den Wellensittich. Das nächste große Unternehmen habe ich schon für nächstes Wochenende geplant; Quackenstechen im Kaah-Tal. Hoffentlich kommt jemand mit.
Dietmar Vogel

9.7.2006 Ablösung kommt

GewitterHeute abend ist Tilo Günther als Ablöung für Dietmar in Sakargah angekommen. Zu seiner Begrüßung gab es gleich ein mächtiges Gewitter, daß den friedlichen Bach zu einem reißenden Gebirgsstrom anschwellen ließ.
So kämpft unser Team gerade damit, die in Ufernähe aufgeschütten Haufen frisch gewonnenen Kieses irgendwie gegen das fortspülen zu sichern. Ob es gelungen ist, werden wir hoffentlich morgen hier berichten können.
Morgen in aller Frühe wird dann Dietmar gemeinsam mit Amir nach Islamabad aufbrechen. Dietmar fliegt zurück nach Hause und Amir wird unseren nächsten Mann René Schriever vom Flughafen abholen und nach Sakargah bringen.

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