Expedition Kyajo Ri 6186 m - Chronik
17. 4. 2008 - Start
Es geht los! Die Rucksäcke sind gepackt und wir hoffen, daß wir auch nichts wichtiges vergessen haben. 30kg sind für jeden wieder mal zusammen gekommen. Die müssen zunächst mal zum Bahnhof gebuckelt werden - gleich eine gute Einstimmung auf die Anstrengungen, die uns noch erwarten.Von Dresden aus fahren wir zunächst mit dem Zug nach Frankfurt. Von dort aus geht es mit Zwischenstop in Doha nach Kathmandu, die Hauptstadt Nepals.
18. 4. 2008 - Ankunft in Kathmandu
Nach langem Flug von Frankfurt mit Zwischenstop in Doha (Qatar), sind wir am späten Nachmittag in Kathmandu gelandet. Unser Fluggepäck ist auch vollständig und unversehrt angekommen. Wir haben im Hotel Marsyangdi Mandala Quartier bezogen, ein Hotel welches von fast allen sächsischen Expeditonen der letzten Jahre benutzt worden ist. Man erkennt das gut an den vielen Expeditionspostkarten, die hier aufgehangen sind. Natürlich hängen wir gleich unsere eigene Grusspostkarte daneben. Zum leckeren Abendessen trinken wir noch standesgemäß ein Everest-Bier und fallen danach müde ins Bett.19. 4. 2008 - Besorgungen in Kathmandu
Am Vormittag erledigen wir noch einige Besorgungen, vor allem kaufen wir noch einiges an Lebensmitteln ein. Unsere Flugtickets für den Inlandsflug nach Lukla und auch die Besteigungsgenehmigung (Permit) hat uns Nima Sherpa von Diamir Nepal schon besorgt, das spart
uns viel Zeit und Mühe.
Wir lernen Kame Sherpa kennen. Er wird uns im Basislager bekochen und während unseres Aufstieges unten im Basecamp auf unsere Sachen acht geben.
Kame scheint uns eine ruhiger aber sehr freundlicher Begleiter zu sein.
Am Nachmittag besuchen wir noch die buddhistische Stupa Swayambunath, auch als Affentempel bekannt. Da heute Sonnabend ist, waren sehr viele Einheimische dort unterwegs, uns war es fast ein wenig zu viel Trubel. Nur Jörg als Nepal-Neuling fotografierte und schaute
eifrig und lang.
20. 4. 2008 - Flug nach Lukla
Bereits 4:30 Uhr klingelt der Wecker. Wir frühstücken schnell und fahren zum Flughafen. Die Abfertigung geht schnell und unkompliziert. Ein klein wenig chaotisch wirkt es allerdings schon. Wir hoffen, dass unser Gepäck auch komplett mitkommt. 6:10 Uhr startet der Flieger - ein zweimotoriges Propellerflugzeug mit 15 Plätzen, jeder hat einen Fensterplatz. Wir fliegen in Richtung Osten immer vor den Himalaya-Ketten entlang. Der Blick ist faszinierend. Das kleine Flugzeug fliegt nicht sehr hoch, so dass man die Landschaft sehr gut beobachten kann. Nach einer knappen halben Stunde landen wir in Lukla (2860m). Die Landung selbst ist beeindruckend. Die Rollbahn geht steil bergauf und ist extrem kurz. Ales klappt prima. Nach uns landen noch 3 weitere solcher Flugzeuge und bringen weitere Touristen. Im Lukla werden 5 Träger angeheuert, die unsere Bergausrüstung und Verpflegung bis ins Basislager transportieren sollen. Das ist gar nicht so einfach. Da in diesem Jahr besonders viele Touristen und vor allem 56(!) Everest-Expeditionen unterwegs sind, werden die Träger knapp. Der Weiterweg zu Fuß führt uns in zweieinhalb Stunden nach Phakding. Eigentlich könnten wir noch weiter gehen, aber mit Rücksicht auf die Träger werden wir hier über Nacht bleiben. So machen wir noch einen kleinen Ausflug, besuchen ein buddhistisches Kloster und steigen noch 600 Höhenmeter durch einen schönen Kiefern- und Rhododendronwald bis zur Waldgrenze. Der Blick von dort oben ist allerdings durch diesiges Wetter nicht besonders gut.21. 4. 2008 - Trek nach Namche Bazar
Heute können wir etwas länger schlafen, Frühstück gibt es erst 6:30 Uhr. Danach machen wir uns bald auf den Weg. Touristen sind zunächst noch nicht allzuviele unterwegs, dafür aber viele Träger. Sie arbeiten nicht nur für Trekker und Bergsteiger sondern in
großem Maße auch ganz einfach für die Versorgung der hochgelegenen Orte im Himalaya. Es gibt hier keine Straßen und auch keine anderen Transportwege. Jedes Kilo Mehl, jede Kartoffel, einfach alles was die Leute hier ganz oben benötigen, muss in mehrtägiger
harter Arbeit heraufgetragen werden. Viel Baumaterial wir transportiert: Bleche, Rohre, Glasscheiben, Zement...
Wir passieren mehrere Kontrollposten, einmal werden unsere Eintrittskarten für den Nationalpark kontrolliert, ein anderes mal unser Permit für die Bergbesteigung. Dann kommt noch ein improvisierter Posten. Hier kontrolliert das Militär - auf chinesischen Wunsch hin
- dass kein Propagandamaterial und keine Waffen nach Tibet eingeschmuggelt werden.
Wir erreichen Namche Bazar am Mittag und quartieren uns dort in einer kleinen Lodge ein.
23. 4. 2008 - Ankunft im Basislager
Nach anderthalbtägigem Marsch von Namche sind wir mit unserem Koch Kame und dessen Gehilfen im Basislagers angekommen.
Wir befinden uns auf 4.550 m Höhe unter der Westwand des Kyajo Ri. Der Platz ist sehr schön gelegen, die Gegend wunderbar einsam.
Außer ein paar Yaks ist hier wohl noch niemand vorbeigekommen. Leider ist das Wetter nicht berauschend.
Es ist sehr windig und die am Tage aufgezogenen Wolken behindern die Sicht. Die Wetteraussichten sind noch trüber.
Die Bewölkung soll ab dem Wochenende weiter zunehmen und gelegentlicher Schneefall einsetzen.
26.04.2008 - Erkundung der Aufstiegsroute
Wir haben vom Basislager aus eine erste Erkundung der Route unternommen. Bei der Gelegenheit stellten wir auf 5.000 Metern Höhe ein Zelt auf und übernachteten auch gleich dort. Plagte uns im Basislager bisher stets der starke Wind, erbarmte sich dieser hier und blies ausnahmsweise nur schwach. Am nächsten Morgen stiegen wir wieder ins Base Camp ab.28.04.2008 - Renjo La
Wir unternahmen am Sonntag eine Erkundungstour zum Renjo La (Renjo-Pass, 5.417 m). Von dort bot sich uns ein traumhafter Blick auf den Makalu und den Everest.
Da kein Niederschlag vorausgesagt worden war, übernachteten wir ohne Zelt, nur mit Schlafsack auf dem Pass. Natürlich schneite es dann doch. Heute ging es zurück ins Basislager, welches uns wie üblich sehr windig empfing. Sobald die Sonne von Wolken verdeckt ist, wird es empfindlich kalt. Da wir kein Essenszelt haben, sitzen wir mit Handschuhen um einen aus Steinen errichteten Tisch.
Die Wettervoraussage für die nächsten Tage sieht günstig aus. Wir hoffen auf die Möglichkeit zu einem Gipfelversuch.02.05.2008 - Versuch am Nordgrat
Das Wetter wurde zunehmend unbeständiger - Wolken und teilweise Niederschlag. Trotzdem unternahmen wir den ersten und leider letzten Versuch, über die geplante Nordgratroute den Gipfel zu erreichen.
Alle Vorplanungen aus der Ferne sind schön und gut, die Realität zeigt sich aber erst vor Ort am Berg.
Und hier mussten wir leider erkennen, dass die Schwierigkeiten der geplanten Route höher sind, als erhofft - zu hoch. Einzelheiten gibt es später.
Damit müssen wir leben, hier lässt sich nichts um jeden Preis erzwingen.
Nun wollen wir versuchen, den Kyajo Ri über die ebenfalls anspruchsvolle Normalroute zu besteigen. Dazu müssen wir erst einmal das Basislager auf die andere Seite des Berges verlegen. In Ermangelung von Trägern heißt dies, die Ausrüstung auf das absolute Minimum zu verringern. Dem fällt auch das Sat-Telefon zum Opfer, so dass unser nächstes Lebenszeichen etwas auf sich warten lassen wird..
Das unbeständige Wetter soll ab Dienstag besser werden, was uns guter Hoffnung sein lässt.

